AfD im Aufwind, BSW-Streit und neue Debatte über Zuckerregeln
Autor: Politik-Ratgeber Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: Der Pressespiegel berichtet über den Aufstieg der AfD, mögliche Machtstrukturen in Sachsen-Anhalt, den Richtungsstreit im BSW und politische Folgen von Zuckerregeln.
Der politische Druck wächst: Während die AfD in Umfragen deutlich zulegt und in Sachsen-Anhalt bereits mögliche Machtstrukturen sichtbar werden, ringt das BSW um seinen Kurs. Zugleich zeigt die Debatte über Zucker, wie wenig beachtete Regeln des Lebensmittelbuchs politische Wirkung entfalten können.
Pressespiegel: AfD im Aufwind, Streit im BSW und Debatte über Zuckerregeln
Thüringer BSW hält am Parteitag am 6. September fest
Das Thüringer BSW will seinen Sonderparteitag trotz Kritik der übrigen Landesverbände am 6. September abhalten. Steffi Eschrich, Landesgeschäftsführerin des BSW in Thüringen, teilte mit: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist keine Verlegung geplant.“ Der Appellbrief der anderen Landesverbände soll jedoch in die zuständigen Gremien eingebracht werden.
Nach Angaben Eschrichs sei der Termin gewählt worden, um den Parteitag möglichst zeitnah zu organisieren. Zudem sei an diesem Tag bereits eine Parteiveranstaltung am selben Ort geplant gewesen. Vorgesehen ist eine Zusammenkunft von 14.00 bis 18.00 Uhr, bei der sich die Mitglieder zu aktuellen Ereignissen austauschen und über den weiteren politischen Weg in Thüringen beraten sollen.
Die übrigen 15 BSW-Landesverbände hatten in einem Brief eine Verschiebung gefordert, weil der Parteitag auf den Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fällt. Sie warnten davor, dass innerparteiliche Auseinandersetzungen am Wahltag Schlagzeilen machen könnten. Eschrich sieht durch den gewählten Zeitraum keine Beeinflussung der Wahl.
Hintergrund ist ein Konflikt zwischen dem Thüringer Landesverband und dem BSW-Bundesvorstand. Dieser verlangt, dass die Thüringer BSW-Fraktion Ministerpräsident Mario Voigt von der CDU nicht länger unterstützt und die Koalition mit CDU und SPD verlässt. Auslöser ist die Aberkennung von Voigts Doktortitel durch die Technische Universität Chemnitz; Voigt geht dagegen juristisch vor.
Zusammenfassung: Der Thüringer BSW hält am Sonderparteitag am 6. September fest. Im Mittelpunkt stehen der Streit mit dem Bundesvorstand und die Frage nach dem weiteren politischen Kurs in Thüringen.
Quelle: SZ.de
AfD liegt laut neuer Umfrage neun Prozentpunkte vor der Union
Eine neue Umfrage des Instituts Insa für die „Bild“ weist die AfD mit 29 Prozent aus. CDU und CSU fallen demnach auf 20 Prozent zurück. Der Abstand zwischen AfD und Union beträgt damit neun Prozentpunkte.
Insa-Chef Hermann Binkert bezeichnete den Abstand als „den höchsten je gemessenen Vorsprung der AfD vor der Union“. Die AfD hatte die Union im März in der Wählergunst überholt und kommt in der Insa-Umfrage seit einigen Monaten auf Werte zwischen 28 und 29 Prozent.
Die Grünen erreichen unverändert 13 Prozent, die SPD weiterhin 12 Prozent. Die Linke kommt auf 10 Prozent und verliert einen Punkt. Die FDP verliert einen Punkt und liegt bei 4 Prozent. Auch das BSW erreicht 4 Prozent und würde damit den Einzug in den Bundestag nicht schaffen. Auf sonstige Parteien entfallen 8 Prozent, was einem Plus von 2 Prozentpunkten entspricht.
| Partei | Umfragewert |
| AfD | 29 Prozent |
| CDU/CSU | 20 Prozent |
| Grüne | 13 Prozent |
| SPD | 12 Prozent |
| Linke | 10 Prozent |
| Sonstige Parteien | 8 Prozent |
| FDP | 4 Prozent |
| BSW | 4 Prozent |
Durch den hohen Anteil von Stimmen für Parteien unter der Fünf-Prozent-Hürde verschieben sich die Mehrheitsverhältnisse. 16 Prozent der Wählerstimmen entfallen laut der Erhebung auf Parteien unterhalb dieser Hürde, weshalb gut 43 Prozent für eine parlamentarische Mehrheit ausreichen würden. Eine Kenia-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und SPD käme auf 45 Prozent und würde die Mehrheit nur knapp erreichen. Schwarz-Rot läge zusammen bei 32 Prozent, ein Bündnis aus Grünen, SPD und Linkspartei bei 35 Prozent.
Für die Erhebung wurden vom 24. bis zum 28. August 1200 Menschen befragt. Die statistische Fehlertoleranz wird mit +/- 2,9 Prozentpunkten angegeben. Die nächste Bundestagswahl steht planmäßig im Frühjahr 2029 an. Der Tagesspiegel weist darauf hin, dass Umfragen keine Prognosen für den Wahlausgang sind.
Zusammenfassung: Die AfD erreicht 29 Prozent und liegt neun Prozentpunkte vor der Union mit 20 Prozent. Die Umfrage erschwert die Bildung klarer Mehrheiten, während FDP und BSW jeweils bei 4 Prozent bleiben.
Quelle: Tagesspiegel
AfD-Nachwuchs feiert Ulrich Siegmund in Magdeburg
Die AfD-Nachwuchsorganisation „Generation Deutschland“ hat eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund gefeiert. Der Bundeskongress fand in Magdeburg statt und wurde nach Angaben der Quelle von rund 300 Teilnehmern besucht.
Die Jugendorganisation beriet über eine Erklärung zum Euro. Ein zuvor bekanntgewordener Entwurf stellte fest, dass der Euro den Binnenmarkt gestärkt habe, zugleich aber erhebliche Konstruktionsmängel aufweise. Reformvorschlägen sollte demnach offen begegnet werden; ein Austritt aus dem Euro wurde nicht gefordert.
Jean-Pascal Hohm, Vorsitzender der „Generation Deutschland“, erklärte, er sei persönlich überzeugt, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht aus dem Euro austreten sollte. Einen Antrag der Führung der Jugendorganisation zog Hohm jedoch zurück, nachdem sich bei Redebeiträgen maßgebliche Widerstände gegen diese Positionierung gezeigt hatten.
Die AfD war 2013 als eurokritische Partei gegründet worden. In ihrem Bundestagswahlprogramm für 2025 hatte sie die Forderung bekräftigt: „Deutschland muss aus dem Euro-System austreten“. Hohm begründete seine persönliche Haltung unter anderem mit dem Lebensgefühl junger Menschen, die es gewohnt seien, an Grenzen keinen Pass mehr vorzeigen und keine Währung mehr umrechnen zu müssen.
In Magdeburg wurden außerdem Forderungen nach Abschiebungen im großen Stil bekräftigt. Hohm sagte: „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben. Dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar.“ Zudem erklärte er: „Millionen müssen dieses Land wieder verlassen.“ Er rief die Mitglieder auch dazu auf, sich im Fall körperlicher Angriffe durch politische Gegner körperlich zu wehren.
„Wir sind keine Opfer, und wir lassen uns auch nicht zu Opfern machen.“ – Jean-Pascal Hohm
Ulrich Siegmund wurde bei seinem Auftritt von den Teilnehmern gefeiert. Er erklärte mit Blick auf die Landtagswahl, man könne in einer Woche in Sachsen-Anhalt Geschichte schreiben. Auch für den Fall, dass die AfD die angestrebte absolute Mehrheit verfehlen sollte, zeigte er sich optimistisch und verwies auf mögliche Erfolge in Thüringen, Brandenburg und Sachsen.
Für Aufmerksamkeit sorgten außerdem Äußerungen des AfD-Landeschefs und Bundesvorstandsmitglieds Martin Reichardt. Er kritisierte politische Gegner in besonders derber Sprache und erhielt dafür starken Beifall aus dem Saal des „Alten Theaters“.
Die Gegendemonstrationen blieben nach Angaben der Polizei begrenzt. Über den Tag verteilt und an unterschiedlichen Orten seien etwa 600 Menschen an Demonstrationen und Kundgebungen gegen den Bundeskongress, die AfD und Rassismus beteiligt gewesen. Aus polizeilicher Sicht blieb die Lage ruhig.
Zusammenfassung: Die AfD-Jugend präsentierte sich in Magdeburg selbstbewusst und unterstützte Ulrich Siegmund im Wahlkampf. Beim Thema Euro zeigte sich jedoch Uneinigkeit, während die Organisation zugleich weitreichende Abschiebungsforderungen bekräftigte.
Quelle: SZ.de
Bericht über mögliche Machtzirkel und Ministerposten in Sachsen-Anhalt
BILD berichtet über eine „Pokerrunde“ im Umfeld der AfD in Sachsen-Anhalt. Die Partei, die jahrelang gegen Postenklüngel und Machtfilz gewettert habe, stehe dem Bericht zufolge kurz davor, Regierungspartei zu werden.
Im Hintergrund agiere ein enger Männerzirkel, der bereits Ansprüche auf Ministerien, Spitzenposten und die Staatskanzlei erhebe. BILD kündigt an, Namen für die Ressorts Justiz, Inneres und Wirtschaft sowie alte Verbindungen und rechtsextreme Vergangenheiten der Beteiligten zu beleuchten.
Der vollständige Einblick in die mögliche neue Machtelite Sachsen-Anhalts ist laut BILDplus abrufbar.
Zusammenfassung: BILD thematisiert mögliche Personalplanungen und Machtstrukturen der AfD für den Fall einer Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt. Im Mittelpunkt stehen mögliche Ministerposten, Spitzenämter und frühere Verbindungen.
Quelle: BILD
Lebensmittelbuch als möglicher Hebel beim Zuckerkonsum
WELT richtet den Blick in der Debatte über eine Zuckersteuer auf einen anderen Einflussfaktor: das Deutsche Lebensmittelbuch. Anlass ist der Fall des Unternehmens Lemonaid, dessen Zitronenlimonade 2019 abgemahnt wurde, weil sie nur sechs Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthielt. Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs sahen damals für Limonaden einen Mindestzuckergehalt von sieben Gramm vor.
Die Vorgaben des Lebensmittelbuchs sind für Hersteller zwar nicht bindend. Sie können jedoch rechtlich relevant werden, wenn Verbraucher den Eindruck gewinnen, in die Irre geführt worden zu sein, oder wenn Lebensmittelkontrolleure Abweichungen von den Leitsätzen feststellen.
Das Lebensmittelbuch regelt seit Mitte der 1960er-Jahre, wie bestimmte Produkte hergestellt werden, welche Angaben auf Verpackungen gehören und welche Zutaten enthalten sein müssen. Inzwischen sind mehr als 2000 Lebensmittel erfasst und definiert.
| Beispiel | Angabe aus dem Lebensmittelbuch |
| Erdbeereis | Fruchtanteil von mindestens 20 Prozent |
| Vollkornbrot | Vollkorngetreideanteil von mindestens 90 Prozent |
| Geflügelwurst | Mindestens 51 Prozent Geflügelfleisch |
| Fischstäbchen | Mindestens 65 Prozent Fischanteil, höchstens 35 Prozent Panade |
Für das Lebensmittelbuch ist eine Kommission aus 32 ehrenamtlichen Vertretern aus Verbraucherschutz, Wissenschaft, Ernährungswirtschaft und Lebensmittelüberwachung zuständig. Die Mitglieder werden für fünf Jahre vom jeweiligen Bundeslandwirtschaftsminister berufen. Nach Darstellung der WELT ist das Gremium damit nur sehr indirekt demokratisch legitimiert.
Die Lebensmittelhersteller müssen die Vorgaben nicht zwingend einhalten, haben aber ein Interesse daran, sich an ihnen zu orientieren. Weichen Produkte von den Leitsätzen ab, können Verbraucher dagegen vorgehen. WELT stellt diese Regeln als möglichen Hebel dar, der neben politischen Maßnahmen wie einer Zuckersteuer Einfluss auf die Zusammensetzung von Lebensmitteln haben kann.
Zusammenfassung: Neben der Zuckersteuer rückt WELT das Deutsche Lebensmittelbuch in den Mittelpunkt. Die Kommission definiert für mehr als 2000 Lebensmittel Zusammensetzungen und Bezeichnungen; ihre Vorgaben sind nicht bindend, können aber rechtlich und verbraucherpolitisch relevant sein.
Quelle: WELT
Einschätzung der Redaktion
Die politische Entwicklung zeigt eine wachsende Spannung zwischen organisatorischer Geschlossenheit und programmatischer Radikalisierung. Besonders relevant ist, dass innerparteiliche Konflikte, harte migrationspolitische Forderungen und mögliche Machtansprüche zunehmend zusammenwirken. Für die demokratischen Parteien steigt damit der Druck, politische Alternativen überzeugend zu formulieren, statt sich allein auf Abgrenzung zu verlassen.
Der innerparteiliche Streit im BSW macht zugleich deutlich, wie verletzlich junge Parteien gegenüber strategischen Richtungsfragen sind. Eine öffentliche Auseinandersetzung am Wahltag könnte die eigene Handlungsfähigkeit zusätzlich beschädigen.
Die Debatte über das Lebensmittelbuch besitzt dagegen vor allem ordnungspolitische Bedeutung: Nicht bindende Standards können dennoch erheblichen Einfluss auf Marktverhalten und Verbrauchererwartungen entfalten. Das spricht für eine transparente Überprüfung ihrer demokratischen Legitimation und ihrer gesundheitspolitischen Ziele.
Kernaussage: Entscheidend werden weniger einzelne Umfragewerte als die Fähigkeit der Parteien sein, Geschlossenheit, Regierungsfähigkeit und nachvollziehbare politische Konzepte glaubwürdig miteinander zu verbinden.
Quellen:
- Termin am 6. September - Thüringer BSW hält an Termin für Parteitag fest - Politik
- Liveblog Bundespolitik: Sachsen-Anhalts AfD-Chef Reichardt eröffnet Bundeskongress mit vulgärer Rede
- „Höchster je gemessener Vorsprung“: AfD liegt in neuer Umfrage neun Punkte vor der Union
- AfD Sachsen-Anhalt: Die „Pokerrunde“ hinter dem Machtwechsel
- Generation Deutschland - AfD-Jugend feiert Siegmund - Uneinigkeit beim Thema Euro - Politik
- Zuckersteuer: Der größte Hebel für weniger Zucker liegt nicht in der Politik